Rechnen wir mal Erst die Rechnung, dann die Methode.

Was von 24,99 Euro übrig bleibt

· Abraten

Amazon FBA, mit Amazons eigener Preisliste gerechnet — und warum sich diese Methode vorher grundsätzlich nicht ausrechnen lässt.

Bei den meisten Methoden muss man die Kosten schätzen. Hier nicht. Amazon veröffentlicht seine Gebühren selbst, in einer Tarifübersicht mit Datum und Beträgen auf zwei Nachkommastellen.

Das macht diese Rechnung zur bestbelegten Abrat-Rechnung, die zu haben ist. Und sie fällt anders aus, als die Zahl „24,99 Euro" vermuten lässt.

Ein Produkt, Schritt für Schritt

Angenommen, du verkaufst einen Alltagsartikel für 24,99 Euro — Kategorie Haushalt oder Sport, ein kleines Paket unter 400 Gramm, Versand durch Amazon im deutschen Store.

PostenBetrag
24,99 €
− 3,99 €
− 3,75 €
− 3,39 €
− 0,12 €
13,74 €

Von 24,99 Euro sind 13,74 übrig — und davon ist noch keine einzige Ware bezahlt.

Zwei Posten daraus werden fast immer vergessen:

Die Umsatzsteuer. Sie ist kein Gewinn, sie war nie deins. Wer mit dem Bruttopreis rechnet, rechnet mit dem Geld des Finanzamts.

Die Empfehlungsgebühr wird auf den Gesamtpreis berechnet, also auf die 24,99 Euro inklusive Steuer — nicht auf die 21,00 Euro, die bei dir ankommen. Das sind 15 Prozent von einer Summe, die zu einem Sechstel gar nicht dir gehört.

Was noch abgeht

Die Ware. Bei 5 Euro Einkauf bleiben 8,74 Euro.

Die Kontogebühr. Der professionelle Verkaufstarif kostet 39 Euro im Monat, unabhängig davon, ob du etwas verkaufst. Bei 100 Verkäufen im Monat sind das 39 Cent je Stück — bleiben 8,35 Euro. Bei zehn Verkäufen sind es 3,90 Euro je Stück, und aus 8,35 werden 4,84.

Die Retouren. Ein zurückgeschicktes Stück hat die Versandgebühr trotzdem gekostet. Amazons Tarifübersicht führt zusätzlich Bearbeitungsgebühren für Produkte mit überdurchschnittlicher Retourenquote.

Und dann die Werbung.

Die Zahl, die es entscheidet — und die niemand vorher kennt

Ein neues Angebot ohne Bewertungen wird nicht gefunden. Sichtbarkeit wird gekauft. Damit steht die ganze Rechnung auf einer einzigen Zahl: was ein Verkauf an Werbung kostet.

Aus der Rechnung oben folgt die Grenze:

Ein Verkauf darf höchstens 8,35 Euro Werbung kosten — dann ist das Ergebnis genau null, vor Einkommensteuer.

Und was heißt das? Wenn von zehn Klicks einer kauft, darf ein Klick höchstens 83 Cent kosten. Wenn von zwanzig Klicks einer kauft, höchstens 42 Cent.

Diese beiden Zahlen — Klickpreis und Kaufquote — stehen in keiner Preisliste. Sie hängen an der Kategorie, am Wettbewerb, am Produktfoto, an der Jahreszeit. Man erfährt sie erst, wenn man Geld ausgegeben hat.

Genau das ist der Grund für das Abraten. Nicht, dass die Rechnung negativ ausginge — sie ist vorher schlicht nicht berechenbar. Alle Kosten stehen fest und öffentlich, ausgerechnet der Posten, der über Gewinn oder Verlust entscheidet, lässt sich nur durch Ausprobieren herausfinden. Auf eigene Rechnung, mit Ware, die bereits im Lager liegt.

Jede andere Methode auf dieser Seite hat unterm Strich eine Zahl. Diese nicht. Und eine Methode, deren Ergebnis man erst nach dem Einsatz kennt, ist keine Methode — sie ist ein Einsatz.

Wann es trotzdem aufgehen kann

Damit es funktioniert, muss mindestens eine dieser Bedingungen erfüllt sein — und keine davon hat mit „nebenbei" zu tun:

Du hast einen Einkaufsvorteil, den andere nicht haben. Ein eigener Hersteller, eine Restposten-Quelle, ein Produkt, das sonst niemand anbietet. Ohne den konkurrierst du über den Preis, und der Preis ist die einzige Stellschraube, die die Marge frisst.

Du verkaufst genug Stück, damit die 39 Euro und deine Zeit nicht ins Gewicht fallen. Zehn Verkäufe im Monat tragen keine Fixkosten.

Oder du hast Reichweite mitgebracht und musst Sichtbarkeit nicht kaufen. Dann fällt der einzige unbekannte Posten weg — und die Rechnung wird auf einmal wieder rechenbar.

Wann es sicher nicht aufgeht

Mit einem Standardprodukt vom Handelsplatz, das hundert andere identisch anbieten. Dann ist der Einkaufsvorteil null und der einzige Hebel der Preis.

Mit einem Warenlager auf Kredit. Die Ware ist bezahlt, bevor der erste Verkauf stattfindet, und sie ist nicht schnell wieder zu Geld zu machen — das ist die Zeile „Bindung: dein Lagerbestand".

Und wenn dir jemand einen Kurs dazu verkaufen will. Er verdient sicher. Du nicht.

Woher die Zahlen kommen

Empfehlungsgebühren nach Kategorie, FBA-Versandgebühren nach Größenklasse, monatliche Lagergebühren je Kubikmeter und die Bearbeitungsgebühren für Rücksendungen: Amazon, „Tarifübersicht — Gebühren für Europa", gültig ab 1. Juli 2026, Spalte „Nur DE". Konkret verwendet: 15 % Empfehlungsgebühr (unter anderem Sport und Outdoor, Bürobedarf, Spielzeug), 3,39 € Versandgebühr für ein kleines Paket bis 400 Gramm, 27,54 € je Kubikmeter und Monat für Standardgröße von Januar bis September.

Die Grundgebühr von 39 Euro im Monat für den professionellen Verkaufstarif: Amazons Tarifangaben, Stand September 2026.

Verkaufspreis, Wareneinsatz, Paketmaß und Verkaufszahl sind ein Rechenbeispiel. Die Gebühren nicht.

Jede Woche eine Rechnung

Eine Methode, durchgerechnet — mit den Zahlen, die sonst fehlen, und dem Fall, in dem sie nicht aufgeht. Kein Verkaufsgerede, jederzeit abbestellbar.

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